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Die Nacht der Banshee (Kurzgeschichte)

Mit ruhigen aber festen Schritten suchen sich ihre Füße einen Weg durch den tiefen Schnee. Still ist es, kein Laut zu hören, in dieser Nacht, bis auf das leise Säuseln des Windes in den Baumwipfeln und dem Knirschen des Schnees unter den Schritten der Frau.
Weiter Folgt sie dem Pfad, der unter der dichten Schneedecke nur für sie sichtbar zu sein scheint, sofern er überhaupt existiert. Gleich wird sie den Waldrand erreicht haben. Die Kiefern stehen hier bereits weit auseinander. Bei Tageslicht hätte man schon die dahinter liegenden Felder in der Ferne sehen können.

Als sie den Wald verlässt breitet sich vor ihren kleinen Augen eine weite Winterlandschaft aus, die im fahlen Licht des abnehmenden Mondes funkelt. Eine eisige Windbö bläst ihr eine Locke ihres strähnigen Haares ins Gesicht. Die Nacht ist klar und ihr Blick geht hinauf zu den Sternen. Ein Lächeln umspielt ihre blass-blauen Lippen während sie in den Himmel sieht.
In der Ferne ist der Ruf einer Eule zu hören und die Frau nickt als würde sie ihr Zustimmen wollen. Tief atmet sie die kalte Nachtluft ein und setzt ihren Weg weiter fort. Der Schnee liegt hier nun höher als im Wald, doch das scheint sie nicht zu stören.

In der Ferne kann man jetzt die dunklen, hohen Mauern eines Schlosses erkennen in dessen Richtung sie ihre Schritte lenkt. Seine Umrisse setzen sich schwarz vor dem Nachthimmel und den schneebedeckten Hügeln ab.Tief sinkt sie bei jedem Schritt in den Schnee und ihr abgewetzter Umhang, der lautlos über den Schnee gleitet, scheint, wie auch ihr schlichtes, an den Säumen zerschlissenes, weißes Gewand, bis hinauf zu ihren nackten, weißen Knien nass und schwer.

Ruhig liegt das Schloss da. Aus einem Kamin steigt heller Rauch in die eisige Luft auf. Die Wachen, die von ihren Türmen wachsam ins Land blicken scheinen die Gestalt, die sich auf das Schloss zubewegt nicht zu sehen. Die Frau aber geht unbeirrt weiter ihren Weg.

Am Schloss angekommen sieht sie hinauf zu einem der dunklen Fester. Es ist das Gemach der Königin in dem diese schläft. Ein unendlicher Schmerz durchzuckt die nächtliche Wanderin, bohrt sich tief in ihr Herz. Ihre Augen weiten sich und füllen sich mit Tränen, bis sie überquellen und ihr in Strömen über die blassen Wangen fließen. Mehr und mehr. Wie quirlige Gebirgsbäche, doch kühl und salzig wie das tiefe Meer. Sie tropfen von ihrem spitzen Kinn und rinnen ihre Brust hinab. Sie krümmt sich zusammen und immer stärker wird das Gefühl als zerreiße sie der Schmerz. Er sammelt sich, wächst, wird größer und wandert schließlich hinauf. Er bahnt sich seinen Weg aus ihrem Inneren , über den Hals hin zu ihrem Mund. Machtvoll und von unsäglicher Pein getrieben, bricht der Schrei hervor. Tief trifft er die Wenigen, die ihn hören und lässt sie erschaudern und in ihrem Tun inne halten. Er klingt durch das Schloss, in den Gängen widerhallend, bis hinab in die tiefsten Katakomben und Verließe und hinauf in die Zinnen der Türme. Die Königin jedoch liegt weiter ruhig in ihrem Bett und schläft.

Auf den ersten Schrei folgt ein Zweiter, ein Dritter. Dann plötzlich ist es still. Die, die ihn hörten blicken sich verwirrt um, Angst liegt in ihrem Blick und eine seltsame Gewissheit.

Die blassen Lippen der Frau schließen sich wieder und sie zieht ihren hellgrauen Mantel etwas fester um sich. Nichts außer den von den Tränen geröteten Augen und dem Raureif, den diese auf ihrem Busen hinterlassen haben, zeugt mehr von der unaussprechlichen Pein, die ihren schmächtigen Körper gerade noch geschüttelt hatte. Sie richtet sich auf und wendet ihre Schritte wieder zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war.

(c) Ima 2012

 

(übrigens eine Premiere. meine erste Kurzgeschichte, die ich öffentlich mache)

4 comments to Die Nacht der Banshee (Kurzgeschichte)

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