Weiberkram

Rezension: Schoßgebete

25. Februar 2012
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Schoßgebete von Charlotte Roche

Inhalt

Der im Roman in der Jetztzeit beschriebe Zeitraum umfasst drei Tage, in denen uns Elizabeth Kiehl, die aus der Ich-Perspektive erzählt, an ihrem Leben, ihrer Sexualität und ihren Gedanken teil haben lässt. Sie nimmt uns mit in ihre Gedankenwelt, mit in ihre Vergangenheit, mit zu ihrer Therapeutin, mit in ihr Schlafzimmer und mit ins Bordell. Sie erzählt uns von ihrem Verhältnis zu ihrer Tochter, zu ihrem Ehemann, ihrem Ex-Verlobten, der gleichzeitig der Vater ihrer Tochter ist, ihrem Stiefsohn, ihrer Mutter, ihrem Vater, ihrer Stiefmutter, ihrer Besten Freundin, ihren toten Brüdern und zu sich selbst.

Elizatbeth ist Mutter einer Tochter und verheiratet mit Georg, der einen Sohn aus erster Ehe hat, der genauso alt wie ihre Tochter ist. Im Laufe der Geschichte erfahren wir wie die Beiden sich kennen lernten, wie sie sich in einander verliebten und schließlich ein Paar wurden, dass nun seit 8 Jahren zusammen lebt. Eine große Rolle spielen dabei auch detaillierte Erzählungen aus dem Sexualleben der Beiden.
Die Erzählung in der Jetztzeit wird immer wieder durch Gedanken Elizabeths unterbrochen, die uns in Rückblenden von dem tragischen Unglück erzählen, dass sie und ihre ganze, weitverzweigte Familie tief erschüttert und bis zum heutigen Tag traumatisiert hat.

 

Meine Meinung

Die Themengebiete, die Charlotte Roche in ihrem Roman aufgreift, sind vielfältig und tiefgründig. Es geht um Liebe und Eifersucht, um Depression und Selbstwert, um Schuld(gefühle) und Verlust(ängste), es geht um Erziehung, Patchworkfamilien, Umweltschutz und die Skrupellosigkeit der Massenmedien, um Feminismus und Sexualität, Pornographie und Prostitution, um Leben und Tod.

Während ich versuche hier alle Themen zusammenzufassen, die im Buch aufgegriffen werden – ich denke es fehlen noch Welche – merke ich wie wahnsinnig viele es sind. Viele würden schon alleine ganze Romane füllen und so wird vieles hier nur angekratzt, bzw. könnte sicher noch wesentlich umfassender besprochen werden, aber darum geht es eigentlich nicht. Der Roman ist subjektiv. Es geht ganz um Elizabeth und darum wie sie die Dinge sieht, darum wie sie die Dinge, die sie tut und die sie erlebt hat, verarbeitet und wie sie mit ihnen Umgeht. Welche Schlüsse sie für sich daraus gezogen hat. Mit gnadenloser Präzision schildert sie ihren Schock, ihren Schmerz, ihre Ohnmacht, ihre Verzweiflung, ihre Rachephantasien und Selbstmordpläne, ihre Selbstaufgabe, aber auch ihre Lust und ihre Liebe.

Schoßgebete ist tiefgründiger und reifer als Charlotte Roches erster Roman Feuchtgebiete. Er ist wesentlich anspruchsvoller, was mich positiv überrascht hat, auch wenn mir bereits Feuchtgebiete durchaus gefallen hat.

Mir gefällt wie Charlotte Roche schreibt und wie sie spricht, daher höre ich auch stets das Hörbuch und lese nicht ihre Bücher.
Ich mag es wie ihre Figuren denken, wie sie Dinge, Personen, Ideen usw. geradezu sezieren und durch ihre eigene Brille beschreiben und erklären.
Wie auch ihr erster Roman hat mich Schoßgebete an vielen Stellen zum schmunzeln, aber an mindestens ebenso Vielen auch zum Nachdenken gebracht.
Einige Gedankengänge der Protagonistin kann ich auch hier wieder sehr gut nachempfinden, während ich anderen ihrer “Philosophien”, “Erkenntnissen”, “Weisheiten”, oder wie immer man es nennen mag, völlig konträr gegenüber stehe. Die Dinge, die ich völlig anders sehe als sie (und es sind einige), stören mich aber nicht. Ich finde es sehr interessant auch diesen anderen Blickwinkel einmal zu betrachten und dabei auch mal wieder über meinen eigenen Standpunkt nachzudenken.

Charlotte Roche konfrontiert uns mit einer Protagonistin, die vor allem eines will, gefallen, ihrem Mann, ihrer Therapeutin, der Prostituierten… Damit hält sie in gewisser Weise auch unserer so auf Prestige und Schein ausgerichteten Gesellschaft einen Spiegel vor.

Eine besondere Brisanz erhält das Buch dadurch, dass die Linien zwischen der Protagonistin und Charlotte Roche hier und da verschwimmen. Gerade im Mittelteil, in dem es hauptsächlich um den tragischen Unfall geht, bekommt das Geschehen so eine zusätzliche Intensität und Dramatik. Ich finde man hört an der Art wie Charlotte Roche den Text liest sehr gut wie wichtig ihr manche Themen und bestimmte Aussagen sind. Sie will ihre LeserInnen/HörerInnen erreichen und zumindest bei mir schafft sie das auch. Der Roman hat mich berührt und bewegt.

Schoßgebete ist keine leichte Kost. Die Themen, die aufgegriffen werden, haben es in sich. Es ist kein Roman, den frau mal so nebenbei liest/hört. Kein Schmöcker für kuschelige Abende. Zwar würde ich Charlotte Roches Buch auch nicht als höhere Literatur bezeichnen, sprachlich gesehen ist es das sicher nicht und manches mag vielleicht auch zu oberflächlich behandelt werden, aber Tiefe und Komplexität hat es dennoch. Wir tauchen tief in die, meiner Meinerung nach, interessante und amüsante, aber mitunter auch verstörende, bizarre und kaputte Seelenwelt von Elizabeth ein. Wem diese Art von Roman gefällt und wen detailierte, Beschreibungen von sexuellen Handlungen nicht stören (oder gar interessieren), dem wird Schoßgebete gefallen.
Ich würde auf jeden Fall das Hörbuch empfehlen. Auf der Amazon Seite der CD ist ein kurzes Video mit Charlotte Roche zu sehen, indem sie ihr Buch vorstellt, da kann man kurz reinhören, ob man ihre Stimme mag. ;)
Ich persönlich mag die Bücher bzw. Hörbücher von Charlotte Roche. Ihre Stimme finde ich unheimlich angenehm. Mir gefällt wie sie die Worte und Sätze betont. Ihr Sprachtempo. Sollte sie ein weiteres Buch veröffentlichen, werde ich es sicher wieder hören.

 

Titel: Schoßgebete
Autorin und Sprecherin: Charlotte Roche
Format
: Audio CD
Verlag: Osterwoldaudio; Auflage: Ungekürzte Lesung. (10. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3869520884
ISBN-13: 978-3869520889

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Eiseskälte, Rosenkohl und Sexismus

2. Februar 2012
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Heute gibts mal ein wenig Vermischtes.

Seit gestern sitzen wir kalt. Es sind die (bisher) kältesten Tage dieses Winters und pünktlich dazu haben wir keine Heizung und kein warmes Wasser. Mit der Heizungsanlage stimmt etwas nicht. Der Monteur, der heute Morgen da war, meinte wohl, dass es daran liegt, dass zu wenig Öl eingefüllt ist.  Wir haben seit Herbst eine Kombination aus Öl- und Stromheizung. Die Stromheizung unterstützt bei milderen Temperaturen. Jetzt müsste die Ölheizung alleine voll heizen und tut’s nicht. Ich habe schlichtweg keine Ahnung von Heizungssystemen, daher kann ich nur hoffen, dass das Problem morgen mit der Öl-Lieferung behoben ist und bis dahin bibbere ich. Wirklich scheiße ist es vor allem wegen meinem Beatmungsgerät. Für mich reicht es nicht, mich warm einzupacken. Ich brauche warme Raumluft, wenn ich die Maske auf habe, sonst ist die Gefahr groß mich zu Erkälten. Bisher können wir es einigermaßen mit unserem kleinen Heizlüfter kompensieren, der tapfer vor sich hinrödelt, aber gut ist anders …

Dafür hatten wir heute ein einfaches und dabei sehr leckeres Essen, dessen Rezept ich euch unbedingt zeigen will, ihr findet es >>hier<< bei Rezeptefuchs.de. Ich muss gestehen, dass es das erste Mal war, dass ich Rosenkohl mal nicht in der klassisch, deutschen Form gegessen habe und ich fand’s extrem lecker! Auch meinem Mann, der kein Rosenkohl-Fan ist, hat es sehr gut geschmeckt. Wir haben übrigens noch weitere Gewürze zugegeben, wie z.B. Curry, Koriander usw. Ich denke, dass man auch gut noch mit Sojasoße marinierte Tofustückchen mit rein machen kann.

Und hier nun möchte ich euch noch einen Artikel über “netten Sexismus” empfehlen. Es geht dabei um verschiedene Forumen von Sexismus in der heutigen Gesellschaft und seine Ursachen. Es wird zb. eine Frage beantwortet, die ich mir schon öffter gestellt habe, nämlich warum Frauen nicht nur (manche) Formen von Sexismus einfach hinnehmen, sondern sogar sich selbst daran beteiligen, in dem sie zustimmen, oder sogar selbst entsprechende Aussagen treffen/verbreiten. Außerdem hat er mich dazu angeregt mein eigenes Verhalten in Bezug darauf zu hinterfragen und mir ist aufgefallen, dass selbst ich als Feministin immer wieder in die eine oder andere “Falle” tappe.

Hier nun der Link: >>klick mich<<. Er ist aus dem Frühjahr letzten Jahres, aber immernoch sehr Aktuell.

Oh und beinahe hätte ich vergessen: meinem Mund geht’s besser, wie’s bisher aussieht werde ich, denke ich, keine Antibiotika brauchen. :)

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Killing Us Softly

17. Januar 2012
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“Killing us softly” ist eine Filmreihe in der es um das Bild der Frau in der Werbung geht und welchen Einfluss dieses auf Frauen und auf unsere Gesellschaft hat.

Jean Kilbourne hat einige Filme zu diesem und anderen bzw. ähnlichen Themen gedreht. Den Ersten 1979.

Hier nun der Trailer zu “Killing us softly 4″ dem aktuellsten der Filme. Bereits im Trailer gibt es schon sehr viele wichtige Statments und Beispiele zu sehen.

Ich werde in jedem Fall versuchen mir die Filme ganz anzusehen. Zwei habe ich zumindest bei Youtube gefunden.

Was ich besonders erschreckend finde ist, wie normal die Diskriminierung der Frau in unserer Gesellschaft ist und wie selbstverständlich. Oft wird sie nicht einmal von Frauen wirklich wahr genommen, oder sogar bestritten, obwohl sie selbst darunter leiden. Sie sind so gut programmiert, dass sie den Widerspruch garnicht mehr bemerken.

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Überraschungen

10. Januar 2012
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Dieses Jahr beginnt für mich wirklich zauberhaft. :)

Bereits am Wochenende haben uns Freunde mit einem Päckchen überrascht, über das wir uns sehr gefreut haben. Es enthielt einen echt süßen Topfhandschuh (oder wie immer das heißt :D ) und einen Topflappen jeweils mit nem niedlichen Birnenaufdruck und ein witziges Spiel, dass wir am Wochenede zuvor gemeinsam, mit viel Spaß, gespielt hatten. :) DANKE nochmal dafür, es war eine echte Überraschung. :)

Heute dann kam das schon herbeigesehnte Päckchen von Alexis an. Ich habe ihr eines ihrer wunderschönen Bilder abgekauft, sowie das Orakeldeck Göttinnenzyklus, mit dem ich schon eine Weile geliebäugelt habe. Das Deck ist wirklich zauberhaft. Ich freue mich schon darauf mich mit ihm zu beschäftigen und das dicke Begleitbuch lässt auf eine interessante Lektüre hoffen, mehr dazu wird’s dann aber beizeiten in meinem Tarotblog geben.

Das Bild von Alexis zeigt die Göttin Hekate. Ich hatte mich direkt in es verliebt, als ich es in ihrem Bilder-Blog sah und es ist wirklich wahnsinn. Ich bin absolut begeistert und natürlich hat das Bild auch gleich seinen Platz gefunden, nämlich über meinem Göttinnenaltar im Wohn- und Arbeitszimmer.

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Aufgrund der Lichtverhältnisse kommt das Bild auf dem Foto leider nicht so recht zur Geltung, aber beim Link zu Alexis’ Bilderblog oben, könnt ihr euch das Bild nocheinmal richtig ansehen. Alexis ist wirklich eine wundervolle, talentierte Künstlerin und ich bin glücklich ein Original von ihr in meiner Wohnung hängen haben zu dürfen. :)

Nun, soweit so gut. ich war ohnehin schon mega-happy, aber Alexis hat mich dann wirklich noch total geflashed. :) Sie hat mir nämlich noch zwei Geschenke mit ins Päckchen gelegt, mit denen ich nun überhaupt nicht gerechtnet hätte.

Zum einen eine mega-knuffige Ganesha-Statuette. Sie ist einfach nur toll! Ich bin total hin und weg von ihm!

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Ich hoffe man kann ihn wenigstens halbwegs erkennen. Er hat seinen Platz auf meinem Götter/Ganesha-Altar in unserem Wohn- und Arbeitszimmer gefunden. Ist er nicht zauberhaft? :)

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Das ist jetzt der ganze Altar, leider ebenfalls recht dunkel, da leider kein Tageslicht mehr vorhanden war als ich die Fotos gemacht habe, aber ich bin viel zu hibbelig, um mit diesem Eintrag bis morgen zu warten. :D

Und dann war in dem Päckchen noch ein wunderschönes Tuch, bzw. ein Wandbehang mit Ganesha. Ich muss dazu sagen, dass ich genau so ein Tuch gesucht habe – habe ich dir das mal erzählt Alexis? – nur leider hatte ich bisher keines gefunden, dass mir so richtig gut gefällt. Das jetzt entspricht aber in allem genau dem was ich wollte und passt dazu in seiner Farbgebung noch genau in unser Wohn- und Arbeitszimmer. Wahnsinn!

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Alexis du hast wirklich punktgenau meinen Geschmack getroffen, sowohl mit der Statuette wie auch mit dem Tuch. Ich bin völlig hin und weg, DANKE!!!*love*

Hinzu kommt ja noch, das wir gerade erst unser Wohnzimmer umgestellt haben und dabei sind es ein wenig neu zu gestalten, mit neuen Bildern usw. die Überraschungen kamen also genau zur richtigen Zeit. :)

Jetzt sitz ich hier, grins die ganze Zeit freudig und glücklich vor mich hin. :) Besser kann doch der Jahresanfang garnicht sein.

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Melli Beese

13. September 2011
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Amelie Hedwig Boutard-Beese besser als Melli Beese bekannt, war die erste Frau, die in Deutschland ihre Fluglizens machte. Um genau zu sein am 13. September 1911, ihrem 25. Geburtstag. Melli Beese musste viel auf sich nehmen, um sich in der stark von Männern dominierten (Flieger-)welt durchzusetzen und tatsächlich zu erreichen, dass sie die Lizens machen konnte. Eine faszinierende Frau, von der ich heute erst erfuhr. Eine der vielen (fast) vergessenen aber sehr interessanten und bemerkenswerten Frauen in der Geschichte. Leider habe ich bisher kaum vernünftige Biographien von ihr gefunden, nur einen Wikipediaartikel.

Happy Birthday, Melli!

Melli_Beese_1915

Melli Beese um 1915

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Sex am Mittag

26. Juni 2011
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Da sitze ich heute Mittag um 12:30 vor dem Fernseher und traue meinen Augen und Ohren nicht. Da läuft ein Werbespott, indem es zunächst um Massageöl geht. Mensch sieht eine nackte Frau auf dem Bauch liegen und einen Mann, der ihr dann eine Decke noch weiter hinunter zieht, so dass ihr Hintern frei liegt und die (männliche) “Werbestimme” gibt uns den Hinweis, dass man “noch mehr” erleben könne, denn es gäbe in der Kollektion auch noch tolle Gleitgele. Dann sehen wir die Frau auf dem Rücken liegend. Gesicht und Hals sind zu sehen, sowie, dass sie sich rhythmisch bewegt (oder bewegt wird), ihr Gesichtsausdruck soll uns zeigen wie viel Lust sie angeblich gerade empfindet und man erklärt uns, dass es außerdem noch ein tolles Gel gibt, dass das Lustempfinden der Frau beim Geschlechtsakt steigert.

Nennt mich spießig, aber dieser Werbespott hat mich in so vielerlei Hinsicht geärgert, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen soll.

Da wäre zum einen die Darstellung der Frau in diesem Spot, natürlich als reines Lustobjekt. Selbstverständlich könnte mensch nun erwidern, dass ja gerade zum Ende hin explizit etwas vorgestellt wird, was die Lust der Frau in den Mittelpunkt stelle. Aber mal ehrlich. Solange keine (physische) medizinische Indikation vorliegt, sollte man eher versuchen zu erkunden was im Bett (und wahrscheinlich auch sonst in der Beziehung) schiefläuft, wenn die Frau dabei “zu kurz kommt” und eventuell eher über eine (Paar-) Therapie nachdenken, als sich irgendwelches Zeug in intime Regionen zu schmieren, nur weil man gerne vergisst, dass Sexualität aus mehr besteht als dem Koitus.

Aber gut, wie mensch sein Sexualleben “pimpt” sei jedem selbst überlassen, was ich aber kein bisschen mehr verstehe ist die Uhrzeit zu der diese Werbung gesendet wird. Mittags um 12:30Uhr. Was bitte denkt mensch sich dabei? Wurde da überhaupt gedacht? Gab es nicht mal so etwas wie Jugendschutz? Muss man in unserer ohnehin schon so über-sexualisierten Gesellschaft jetzt auch schon zu Zeiten in denen auch Kinder vorm Fernseher sitzen den Menschen erzählen, dass sie nur dann toll im Bett sind, wenn sie “für alles offen” sind und dass es scheinbar notwendig ist, dass Frauen sich irgendwelcher Mittelchen bedienen müssen, damit auch sie endlich (mehr) Spaß im Bett haben?

Sexualität ist heut zu Tage allgegenwärtig. Jeder tut es und jeder spricht darüber. Es geht nicht mehr darum, dass die körperliche Intimität zwischen Menschen etwas wunderschönes, kostbares, besonders ist, sondern darum wer, wann, wie, mit wie vielen Sex hatte. Bei Männern heißt es nach wie vor “je mehr, je toller” und bei den Frauen entwickelt es sich nach und nach in eine ähnliche Richtung. Der Leistungsdruck auf beide Partner steigt, jeder will “gut im Bett” sein und dabei steht weniger die eigentliche Lust im Vordergrund als besondere Experimentierfreudigkeit. Keiner sagt gerne, dass er “Blümchensex” mag, damit kann man niemanden Beeindrucken.

Das schlimmste dabei: es fängt schon bei den Kids an. Gerade ihre Sexualität entdeckend werden die Jugendlichen überall mit Sexualität und dem seltsamen Bild, dass in unserer Gesellschaft davon geschaffen wird konfrontiert und immer mehr geraten die Jugendlichen, weiblich wie männlich, in diesen Sog und unter den Erwartungs- und Leistungsdruck. Statt Sexualität als etwas natürliches, intimes und wunderschönes kennen zu lernen stehen sie schon sehr früh unter dem Leistungsdruck der in unserer Gesellschaft ja mit fast allem einher geht. Jeder will “gut im Bett” sein, was gleichbedeutend ist mit offen, experimentierfreudig, tabulos, aktiv ….

Nennt mich spießig, aber ich finde diese Entwicklung schrecklich und es erschreckt mich wie die Sexualisierung unserer Gesellschaft immer weiter fortschreitet und wie immer neue Grenzen überschritten werden und mit einem Werbespott wie diesem am helligten Samstag Mittag wird meiner Meinung nach ganz klar eine Grenze überschritten.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich empfinde Sexualität (auch bei Jugendlichen) als etwas ganz natürliches und ich finde auch, dass jeder diese – sofern niemand anderer dadurch verletzt oder beeinträchtigt wird – auch ausleben können sollte, aber das was in unserer Gesellschaft vorgeht hat nichts mehr mit natürlicher Sexualität zu tun, sondern wie in jedem anderen Bereich mit Kommerz und Leistung/Druck.

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